toilette, bahnhof, schild, Erfurt Hauptbahnhof. Auf der Fährt von Leipzig in die alte Heimat muss ich aus Gründen die Bahnhofstoilette benutzen.

Diese Geschichte könnte an jedem anderen Bahnhof der Republik passieren. Diese Geschichte passiert täglich vielen reisenden. Egal ob auf dem Bahnhof oder der Autobahnraststätte

Wegen dringenden Bedürfnissen betrete ich die Toilette auf dem Erfurter Bahnhof. Ein Automat verrät mir, dass ich für mein dringendes Bedürfnis 1€ zu bezahlen habe. Unwillig krame ich meinen Geldbeutel heraus und werfe 2€ im den Automaten. Die Tür ins Kloreich öffnet sich und ich betrete dieses exclusive Etablissement.

Klaviergedudel strömt mir entgegen und ich komme mir vor wie in einem dieser Einkaufstempel in Leipzig wie z.B. das Höfe am Brühl. Dennoch bekomme ich diesen Klogeruch nicht ganz aus der Nase. Als ich ans Pisseur trete weiß ich auch, wo dieser Geruch her kommt. Hier sieht es aus als wäre das Klo seit Wochen nicht gereinigt. Die Urinkristalle wachsen langsam aus dem Abfluss heraus. Auch die Waschbecken wirken nicht besser. Neben dem Abfalleimer liegt wahllos ein Müllbeutel mit Papiertüchern herum.

Während meines gesamten Kloaufenthaltes sehe ich nicht eine Servicekraft. Ich verlasse das exclusive Reich und beobachte eine Frau die am Automaten steht. Der Mensch vor ihr hat vergessen das Ticket mitzunehmen. Sie steckt es ein und wirkt als hätte sie das Geschäft ihres Lebens gemacht.

Ungläubig betrachte ich mein vermeintliches Ticket. Es ist einer dieser Gutscheine die man irgendwo auf dem Bahnhof gegen einen Kaffee für 2€ eintauschen kann. Statt 2€ zahlt man dann eben nur 1,50€. Bei genauerem hinsehen entdecke ich, dass der Gutschein erst ab einem Mindestwert von 2,50 eingelöst werden kann und weil alles so lecker aussieht und man sowieso schon da ist, kauft man eben noch ein belegtes Brötchen für 3€ und freut sich das man einen Kaffee und ein belegtes Brötchen für 4,50€ statt 5€ bekommt ohne das einem bewusst wird, dass man das eigentlich überhaupt nicht will. Man denkt am Ende noch etwas gespart zu haben, obwohl man statt 0€ über 5€ ausgegeben hat. Es wird ein Bedürfnis generiert das vorher nicht da War und das nur weil ich aufs Klo musste…

„Das ist Kapitalismus“ denke ich und betrachte meinen Gutschein. Ich entschließe mich ihn nicht einzulösen und gehe zum Zug.

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