Wie auch 2015 ist die Silvesternacht in Köln wieder Gesprächsthema Nummer eins nach Silvester. Doch diesmal nicht wegen irgendwelchen Übergriffen, sondern wegen dem harten Einsatz der Polizei.

Es war eigentlich eine sehr ruhige und friedliche Silvesternacht in Köln. Es gab nur sehr wenige Vorfälle und das ist wirklich gut so. Deswegen lässt es sich auch so gut um den Polizeieinsatz streiten.

Dort waren 1700 Polizisten damit beschäftigt tausende Personen zu kontrollieren, um Vorfälle wie im vorherigen Jahr auszuschließen. Der Streitpunkt an der ganzen Sache ist, dass besonders nach dem Aussehen der Menschen gegangen wurde. Wer aussah wie ein Ausländer wurde erst einmal kontrolliert. Das bedeutet wer anders aussah als „wir“ Deutschen wurde festgehalten, alle anderen (außer ein paar Nazis) konnten sich frei bewegen. Rassismus oder notwendig? Diese Frage muss sich die Polizei in meinen Augen selbst beantworten und das muss sie wirklich.

Schlimme Straftaten verhindert

Weil die Nacht ja so ruhig und gut verlaufen ist kann man nun sagen, dass der Einsatz erfolgreich war und eben nur so schlimme Straftaten verhindert hat. Aber stimmt das wirklich? Nur weil die letzte Silvesternacht so schlimm war, heißt das doch nicht, dass die jetzige auch so schlimm wird. Wer kann denn sagen, dass schlimme Straftaten passiert wären, ohne das energische Eingreifen der Polizei? Keiner!

Genau das ist der springende Punkt. Niemand kann sagen das so etwas wieder passiert. Deswegen nun das große Eigenlob der Polizei und eben auch das energische Vorgehen gegen alles was anders aussieht. Es hätte ein Fest für deutsche Straftäter aller Art werden können und das vor den Augen von 1700 Polizisten. Dass es nicht dazu kam, ist durchaus positiv.

Rassismusvorwurf berechtigt?

Genau aus diesem Grund muss sich die Polizei nun eben auch den Rassismusvorwurf gefallen lassen. Warum werden ausgerechnet diese Gruppen so streng kontrolliert und warum wird in einem Tweet über eine festgehaltene Gruppe von Ausländern generell von Nafris gesprochen?

 

Wer nicht weiß was Nafris sind, auch ich habe das Wort zum ersten mal gehört und musste googlen. Die Polizei nutzt diesen Begriff wohl schon länger. Es ist die Abkürzung für „Nordafrikanische Intensivtäter“ und wer jetzt noch glaubt, das ganze wäre nicht rassistisch und völlig verhältnismäßig hat den Schuss nicht gehört.

Hier wurde eine Gruppe von 600 Menschen festgehalten und erst einmal unter dem Begriff „Intensivtäter“ zusammengefasst. Die Polizei ging ganz offen von Intensivtätern aus, weil die Personen nicht deutsch aussahen und eben in ein bestimmtes Klischee passten. Das ist schlicht und einfach purer Rassismus und bedarf in meinen Augen keiner weiteren Erklärung. Diesen Vorwurf muss sich die Polizei nun gefallen lassen. Unabhängig davon, wie die Polizei Menschengruppen nennt bleibt nun noch die Frage, ob der ganze Einsatz richtig und verhältnismäßig war.

Richtig oder vollkommen überzogen?

Eigentlich steht es mir nicht so ganz zu hierfür eine Aussage zu treffen, deswegen bleibe ich mal vorsichtig. Ich war nicht dabei und weiß auch nur aus Berichten, wie es gewesen sein könnte. Aber wie ich vorher schon schrieb weiß keiner, ob die ganzen Intensivtäter wirklich etwas vorhatten in der Silvesternacht. Vielleicht wollten sie nur feiern und wurden von der Polizei daran gehindert. Rassistisch ist es allemal gewesen. Damit muss die Polizei leben. Ob es verhältnismäßig war werden wir wohl nie erfahren, denn es ist vorbei.

Was lernen wir nun daraus?

Was wir aus dieser Silvesternacht in Köln lernen sollten ist, dass man niemanden unter Generalverdacht stellen sollte nur weil er anders aussieht. Das ist nicht nur Rassismus, sondern fördert ihn auch noch in aller Öffentlichkeit. Die Menschen denken es ist eben „normal“ ,dass anders aussehende Menschen kriminell sind. Es ist normal, dass ganze Menschengruppen als Intensivtäter bezeichnet werden. Wir sollten uns als Gesellschaft die Frage stellen: Wollen wir das wirklich? Wie weit sind wir dann noch von den pauschalen Anfeindungen im 3. Reich entfernt und wie weit sind wir dann noch von der offenen Diskriminierung entfernt? Wie weit sind wir dann noch von den Schildern an Fensterläden entfernt: „Deutsche kauft nicht bei Nafris“. Genau diese Fragen sollte man sich stellen, wenn man an diese Silvesternacht denkt.

In diesem Sinne wünsche ich ein frohes neues Jahr 2017.

 

4 Thoughts on “Kölner Silvesternacht – Rassismus oder nötig?

  1. Pingback: Rassismusdebatte im neuen Jahr - Alles beim alten - Becherwürfel

  2. Pingback: Wie weit wollen wir unsere Freiheit noch aufgeben? - Becherwürfel

  3. Pingback: Politik ist überall und wir sind die Politik - Becherwürfel

  4. Pingback: Mein persönlicher Spendenmarathon - Becherwürfel

Kommentar verfassen

Post Navigation