ArmutKennt ihr diese Spendengalas im Fernsehen wo wild gewordene Moderatoren alles versuchen um den Zuschauern irgendwie Geld aus der Tasche zu leiern? Ein kleiner Anruf und das Gewissen ist beruhigt und der Geldbeutel um 50 Cent ärmer. Das ist das Format bei dem wir gerne spenden. Schön bequem von der Couch aus.

Doch vor der eigenen Haustür hört das ganze auf. Hier in Leipzig fällt mir das extrem auf. Da ich viel mit der Straßenbahn unterwegs bin kann ich täglich beobachten, wie bettelnde Menschen vor allem am Hauptbahnhof auf und ab gehen und die Menschen anbetteln. Kaum einer hat allerdings etwas übrig.

Inspiriert von Charlotte, die ein ganzes Jahr lang jedem Obdachlosen etwas gegeben hat, dachte ich mir: Das kann ich auch und probiere das ganze gerade etwas aus.

Erste Fragen kommen auf

Ich muss sagen, ich mach daraus keine Challenge wie Charlotte das gemacht hat. Ich nehme mir das ganze eben als kleines persönliches Projekt vor und erkenne erste Parallelen zu Charlottes Experiment.

Im Austausch mit anderen Menschen kamen ganz schnell erste Fragen auf. Was ist wenn ich mein Geld an Betrüger verschenke? Was ist wenn sie ihr Geld nur versaufen?

Ich muss sagen, diese Fragen sind kein Argument warum man nicht Spenden sollte (werden aber gern als Argument heran gezogen). Natürlich sind auch bei Bettlern sicher schwarze Schafe dabei. Aber deshalb alle über einen Kamm scheren? Es kann passieren das ich den einen oder anderen Euro an Betrüger verliere oder der eine oder andere Euro versoffen wird. Aber am Ende kommt es doch darauf an, wem man nicht geholfen hat. Warum sollte ich niemandem Spenden nur weil ein paar krumme Dinge tun? Das ist genauso wie hunderte Menschen festzuhalten weil sie nicht aussehen wie wir.

Die ersten Erfahrungen

Die ersten Tage an denen ich mein Geld gespendet habe war es mir fast peinlich. Jeder schaut weg wenn jemand ihn nach Geld anbettelt. Ich habe früher auch so peinlich betroffen geschaut und dennoch nichts gespendet. Heute kann ich die Person ansehen der ich Geld spende. Wohl wissend das mich jeder andere ansieht und sich sicher seinen Teil denkt. „Der Idiot, verschenkt sein Geld an irgendwelche Assis“. So ähnliche Dinge habe ich früher auch gedacht. Aber wenn wir ehrliche sind: Wer ist asozialer? Ein Mensch der genug hat, in seiner warmen Bude sitzt und bedürftigen Menschen nichtmal einen Blick würdigt, oder der Obdachlose der sich immer freundlich bedankt, wenn ihm jemand ein wenig Kleingeld gibt? Wirklich jeder Obdachlose dem ich bisher gespendet habe hat sich freundlich bedankt und mir einen schönen Tag gewünscht.

Wie viel kostet mich die ganze Sache?

Bisher hat mich diese ganze Aktion etwa 10€ gekostet. Ich habe nicht mitgezählt. Aber so viel dürfte es in etwa sein. Selbst arm wird man dabei jedenfalls nicht. Ich muss nicht mehr wie früher jeden Cent dreimal rumdrehen und kann deshalb ohne Probleme etwas von meinem Geld spenden. Natürlich muss ich weiter beobachten wie sich das ganze auf meinen Geldbeutel auswirkt, aber ein so riesiger Geldbetrag sollte es nicht werden. Nicht jeden Tag treffe ich Obdachlose und nicht jeden Tag werde ich angebettelt und leider habe ich auch nicht jeden Tag Kleingeld dabei.

Ich werde euch weiter berichten wie diese ganze Aktion verläuft. Vielleicht kann ich den einen oder anderen zum nachmachen animieren.

 

 

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