Alkohol, Sucht, Sozialisation, Job, Arbeitslos„Jeder ist seines Glückes Schmied“. Diese Volksweisheit kennen wir sicher alle. Wie die meisten von euch wissen, ist das allerdings nicht die ganze Wahrheit. Heute wissen wir mehr als damals.Der Spruch bedeutet einfach gesagt, dass jeder für sein Glück selbst verantwortlich ist. Das gilt sowohl im privaten, als auch im beruflichen Sektor. Da wir in der Forschung allerdings etwas weiter sind als zu dem Zeitpunkt trifft das nicht mehr ganz zu. Heute wissen wir, dass jeder unterschiedliche Vorraussetzungen mit bringt. Das hängt zum einen von den Genen und zum anderen von der Sozialisation eines Menschen ab. Ich würde glatt behaupten, die Sozialisation eines Menschen hat dabei den größten Einfluss auf den Menschen.

Auf der missratenen Sozialisation ausruhen?

Ich schreibe diesen Artikel weil ich gerade an einen ganz bestimmten Freund denke. Er sieht sein Leben als mehr oder weniger gescheitert an. Er hat keinen richtigen Job, Stress in der Liebe und ohnehin keine echte Perspektive. So widmet man sich eher dem Alkohol zu und lässt seine Seele und sein Gehirn vollständig verkommen. Schuld sind sowieso die anderen. Er selbst kann nichts dafür.

Zum einen stimmt das wohl. Wer bereits mit dem Arbeitsamt zu tun hatte, der weiß vielleicht wovon ich rede und wer einmal in einem Loch gefangen ist, welches sich Arbeitslosigkeit nennt, der weiß auch wovon ich rede. Es ist deprimierend, man fühlt sich wertlos und nutzlos.

Doch kann man sich wirklich auf den anderen ausruhen? Kann man darauf ausruhen, dass die anderen sich um einen kümmern? Leider hat es die gewisse Person nicht wirklich gelernt auf eigenen Beinen zu stehen. Das ganze wird durch eine Betreuung gefördert in der er weder gefordert noch gefördert wird. Keiner hat diesem Freund beigebracht auf beiden Beinen zu stehen und so widmet er sich eben dem Alkohol. Hat ja sowieso keinen Sinn!

Kein ausruhen!

Doch halt! Ich habe den Text mit der alten Volksweisheit begonnen: „Jeder ist seines Glückes Schmied“. Ich habe festgestellt, dass die Sozialisation einen großen Einfluss auf unser Handeln hat. So kommt auch das Sprichwort mit der Sozialisation in Verbindung. Denn als Sozialisation wird ein lebenslanger Lernprozess bezeichnet. Es ist nicht Schluss wenn man das Elternhaus verlässt. Das Lernen hört niemals auf.

Doch so leicht das alles klingt, so schwer ist es umzusetzen. Natürlich sprechen alle davon, dass jeder die gleichen Chancen hat. Doch nicht jeder hat die gleichen Vorraussetzungen. Mein Kumpel hat denkbar schlechte Voraussetzungen. Ein Grund den Kopf in den Sand zu stecken?

Diese Frage kann ich nur mit einem klarem Nein beantworten und hierfür möchte ich mein eigenes Leben als Beispiel nennen. Vielleicht dient es noch als Motivation für meinen Kumpel und andere denen es ähnlich geht.

Mein Leben:

Ich verließ die Schule mit einem Hauptschulabschluss, machte dann die zehnte Klasse nach. Dann lernte ich Sozialassistent, weil mein Wunschberuf Erzieher war. Es folgte danach eine Erzieherausbildung ohne Abschluss. Zu diesem Zeitpunkt fühlte ich mich wie mein Kumpel. Nutzlos, und Wertlos. Das zog sich eine ganze Weile hin (wie lange weiß ich nicht mehr genau). Ich war arbeitslos und die Tante auf dem Arbeitsamt drehte mir utopische Jobs an, die ich unmöglich annehmen konnte. So schlängelte ich mich von schwarzarbeiterjobs zum Bundesfreiwilligendienst.

Als das vorbei war lauerte wieder das Arbeitsamt mit seinen durchaus unterhaltsamen Jobangeboten (Als Sozialassistent soll man da als Lagerist arbeiten). Ich bewarb mich also selbst und unabhängig vom Arbeitsamt in einem Pflegeheim und wurde genommen. Heute vier Jahre später bin ich fast Altenpfleger und stolz drauf. Es ist zwar weder mein ursprünglicher Wunschberuf noch ein „über“-Beruf, aber ich kann sagen, dass ich was erreicht habe und ich habe einen Job der anspruchsvoll ist und Spaß macht. Nur unterbezahlt ist er (man kann nicht alles haben).

Und auch ich bin wie vielleicht der eine oder andere an meiner Rechtschreibung erkennen kann nicht perfekt. Auch ich habe keinen Lückenlosen, reinen Lebenslauf. Auch ich bin erst mit Ende 20 soweit, dass ich sagen kann, dass ich irgendwo stolz auf mich selbst sein kann. Doch ich bin es heute und das ist das was zählt.

An meinen Kumpel:

Sicher waren meine letzten Worte etwas hart. Ich war eben sauer. Aber ich finde es traurig, wenn jemand der wirklich etwas kann sein Leben weg wirft und dann die Schuld bei anderen sucht. Man sollte die übrig gebliebene Kraft nicht in sinnlose Dinge wie dem Alkohol widmen, sondern seinen Arsch heben und sein Leben bewusst und in vollen Zügen genießen. Wenn man das geschafft hat und aus einem solchen Loch emporstieg wie Phoenix aus der Asche. Dann kann man wirklich stolz auf sich und sein Leben sein. Es ist niemals zu spät und man sollte niemals aufgeben wenn es noch Hoffnung gibt. Das habe ich zumindest in meinem Leben gelernt.

 

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