Ich berichtete schon gestern über die Kölner Silvesternacht und muss sagen, dass ich dermaßen geschockt bin, dass mir fast die Worte fehlen.

Angefangen hat das ganze mit der Aussage von diversen Politikern, die den Polizeieinsatz gelobt haben. Aus der Reihe fiel da Simone Peter. Sie fand den Einsatz zwar auch an sich gut, sprach aber auch den Rassismus an, der diesem Einsatz diesen bitteren Beigeschmack gab.

Ich weiche nicht von meiner Position ab

Auch wenn Simone Peter inzwischen wegen eines massiven Shitstorms in den sozialen Medien zurück ruderte, teile ich ihre Position und werde dennoch nicht zurückrudern. Ich erinnere daran, dass an diesem Abend ganz offen der Begriff „Nafri“ kommuniziert wurde. Er bedeutet nach wie vor nichts anderes als „Nordafrikanischer Intensivtäter“. Hier wurde eine Gruppe festgehalten und unter Generalverdacht gestellt, die einfach nur anders aussah als der Deutsche. Natürlich waren da auch Straftäter unter den festgehaltenen Menschen, aber eben nicht nur. Man hätte sicher auch Straftäter gefunden, wenn man das ganze mit einer deutschen Gruppe gemacht hätte. Nur dann wäre der Aufschrei ein ganz anderer. Das Festhalten von ethnischen Gruppen nur wegen des Aussehens ist in meinen Augen purer Rassismus. Diese festgehaltene Gruppe dann noch pauschal als Intensivtäter zu bezeichnen übersteigt alles, was irgendetwas mit unserer freien Welt zu tun hat.
Denn es steht nun einmal ganz eindeutig in unserem Grundgesetz:

Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.

Warum diese Diskussion überhaupt führen?

Ausgehend vom Grundgesetz stellt sich mir die Frage, warum wir diese Debatte überhaupt führen und warum sie auch im Netz so aufgeheizt ist. Es steht klar geschrieben und das Vorgehen der Polizei sollte in der Gesellschaft geächtet werden.

Natürlich darf die Polizei intern Begriffe verwenden, um die Kommunikation zu erleichtern. Von mir aus darf die Polizei auch den Begriff „Nafri“ nutzen, wenn sie meinetwegen eine fünfköpfige Gruppe von Nordafrikanern festnehmen soll. Aber nicht für eine Gruppe von hunderten Menschen unter denen sich eben auch Deutsche und sicher nicht nur Straftäter befinden. Das ist das Rassistische an der ganzen Sache. Nicht der Begriff „Nafri“ an sich.

Und nun darf gern der Shitstorm auf mich einprasseln. Ich habe meine Argumente dargelegt und warte auf bessere.

 

 

2 Thoughts on “Rassismusdebatte im neuen Jahr – Alles beim alten

  1. Kathrin Lehm on 3. Januar 2017 at 09:00 said:

    Ein junger Mann mit marokkanischen Wurzeln schreibt:
    ………“meine beiden Elternteile stammen aus Marokko und ich kann das Handeln der Polizei absolut nachvollziehen.
    Ich habe gut drei Jahre in Köln gelebt, jeder vernünftig denkende, historisch aus Nordafrika stammende, halbwegs gebildete Mitbürger hätte die Gegend rund um den HBF gemieden. Aus Polizeikreisen hieß es, dass aus diesen Gruppen ein Gewaltpotential ersichtlich war. Ebenso haben sich diese augenscheinlich via WhatsApp gezielt dort verabredet. Trotz der immensen Sicherheitsvorkehrungen war diese Gruppe extrem stark vertreten!

    Daher ist das Handeln der Polizei für mich absolut nachvollziehbar! Freunde von mir hatten dies aus nächster Nähe beobachtet und waren selbst betroffen. Hat man sich als jemand normal denkender zu erkennen gegeben ist man auch als Nordafrikanischer nicht eingekesselt worden, sondern durfte weiter.

    Die einzige Gruppe die ich wirklich für die aktuelle Stimmung zu diesem Thema verurteile sind eben diese „Landsleute“ die sowohl im Vorjahr, als auch in diesem Jahr mit Gewaltpotential dieses Areal besucht hatten.“

     

Kommentar verfassen

Post Navigation