Erfolg, erfolgreich, Geschäft, Leben, Sinn des LebensEs wurde schwarz um Jakob und er blickte zurück auf sein sinnloses und erfolgloses Leben. Es war in seinen Augen besser, den Qualen ein Ende zu setzen anstatt am Ende vor Einsamkeit und Erfolglosigkeit zu sterben.

Jakob war ein Geschäftsmann. Er half seinem Unternehmen mehr Absatz zu machen und so reiste er viel umher, besuchte Messen und arbeitete selbst in den Pausen. Es gefiel ihm, es war sein Leben und er sagte selbst, dass die Arbeit sein Leben ist. Er war Single aus Überzeugung – wie er selbst immer so stolz sagte. Er wollte nicht, dass irgendjemand auf ihn wartet und er wollte nicht so viel Zeit in soziale Beziehungen verschwenden. Selbst schlafen hielt Jakob für eine sinnlose Zeitverschwendung.

Beziehungen fanden in Jakobs Leben nur beruflich statt. Freunde hatte er keine. Dennoch hielten ihn alle für wahnsinnig erfolgreich. Er kletterte innerhalb kürzester Zeit die Karriereleiter seines Unternehmens hoch und hatte schnell die Leitung seines Geschäftsbereiches.

Jakob war ein Arbeitstier. Er konnte nicht anders. Er war erfolgreich und lebte um noch erfolgreicher zu werden. Doch eines Abends während eines Meetings merkte er plötzlich ein seltsames Kribbeln in den Armen. Er hielt es nicht für schlimm und machte weiter. Auf dem Hotelzimmer konnte er seine rechte Körperhälfte nicht mehr spüren und sackte in sich zusammen. Gerade so schaffte er es ans Telefon zu kriechen und mit der linken Hand den Notruf zu betätigen. Doch er bekam nichts heraus außer seltsame Wörter. Doch anscheinend reichte das aus. kurze Zeit später war der Notarzt vor Ort. Sie sagten ihm, dass es schnell gehen müsste und sie ihn ins Krankenhaus bringen würden. Sie verabreichten ihm ein Medikament. Er schlief ein.

Jakob öffnete die Augen. Sein Krankenzimmer war leer. Keiner außer ihm war hier. Er mochte es nicht unter fremden zu sein, deshalb hatte er bei Abschluss der Versicherung explizit darum gebeten auf dem Krankenhaus ein Einzelzimmer zu bekommen. Er drückte die Klingel. Kurze Zeit später erschien eine Schwester im Zimmer. Sie lächelte als sie sah, dass Jakob wach war. Sie war wunderschön. Vielleicht gerade um die 20 Jahre. Jakob versuchte etwas zu sagen, doch es ging nicht. Die Worte blieben ihm einfach im Hals stecken. Sie formten sich im Mund neu und ergaben ein einziges Durcheinander von Sprache. Er versuchte sich zu bewegen, doch es ging nicht. Als er versuchte den rechten Arm anzuheben blieb er einfach liegen.

Die Schwester sagte: „Ich bin Schwester Sandra. Sie hatten einen Schlaganfall. Ihre rechte Körperhälfte ist gelähmt und Ihr Sprachzentrum ist betroffen. Aber weitere Einschränkungen sind uns bisher nicht bekannt“. Er schüttelte den Kopf. Das kann nicht sein. In seinem Kopf ging er den Arbeitstag durch und überlegte wie viele Meetings er wohl schon verpasst hatte. Das ging nicht. Ohne ihn läuft der der Laden doch nicht. Er deutete der Schwester an, dass er ein Telefon braucht. Doch dann fiel ihm ein, dass er nicht sprechen kann…

Nun saß er in seinem Krankenzimmer. Gefesselt ans Bett und der einzige Kontakt war diese junge, hübsche Schwester. Sie war einfach so schön. Nie ist Jakob die Schönheit von Menschen aufgefallen. Sie waren immer nur Objekte in seinen Augen. Doch plötzlich sah er, dass Menschen mehr waren. Sie waren plötzlich soziale Wesen.

Je länger Jakob in seinem Krankenbett lag und nur Abwechslung durch die regelmäßigen Therapiestunden fand, desto mehr dachte er über sein Leben nach. Er hatte mal eine Freundin. Damals war er auch um die 20 Jahre. Auch seine damalige Freundin war wunderschön. Doch für den Job verließ er sie und hatte seitdem nichts mehr von ihr gehört. Er fühlte sich so leer in seinem Einzelzimmer und nachts hörte er manchmal die Wände reden. Sie drückten ihre gesamte Last gegen Jakob, der unter dieser Einsamkeit fast erstickte.

Er überlegte wie seine damalige Freundin hieß. Es fiel ihm nicht mehr ein. Es gab keinen Menschen der ihm nahe stand. War sein Leben doch nicht so erfüllt wie er immer dachte? Er fühlte sich so leer und ausgelaugt. Ihm fehlten Menschen um ihn herum. Er malte sich aus, wie es wäre, wenn er nun Frau und Kind hätte und sie neben ihm am Krankenbett saßen und für ihn da sind. Dafür wurde er auch einen Großteil seines Geldes hergeben welches er sowieso vor lauter Arbeit nie ausgeben konnte. Plötzlich kam ihm sein Leben sinnlos vor und er entschloss sich etwas ungewöhnliches zu tun. Später würden die Menschen sich fragen warum ausgerechnet ein so erfolgreicher Mann wie er so etwas tun konnte. Doch jeden Abend begann er seine Medikamente zu sammeln, denn er wusste nun worauf es im Leben wirklich ankam. Sein Leben ist gescheitert… Zwei qualvolle und sinnentleerte Wochen zog er das durch, bis er alle Tabletten auf einmal nahm. Er spürte wie schwer alles wurde. Vor seinem Gesicht erschien das Gesicht seiner damaligen Freundin. Sie war so hübsch und er bereute es zutiefst nicht bei ihr geblieben zu sein. Er dachte über seinen Erfolg nach. Darüber, dass er eigentlich völlig erfolglos war. Doch dann wurde es schwarz um ihn herum und eine angenehme Wärme breitete sich in ihm aus. Er wusste, dass war sein letzter Atemzug. Der letzte Atemzug eines völlig vergeudeten Lebens.

 

One Thought on “Über Erfolg und Misserfolg

  1. Schön bzw. traurig. Das ist eine drastische Geschichte. Ganz so läuft sie zum Glück ja meistens nicht ab. Jakob fehlten Menschen um ihn herum, die ihm wirklich etwas bedeuteten. Nur sie können selbst bei stressigen Jobs, die es nun mal gibt, einen Ausgleich schaffen.

     

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