kaffee, UTZ„Mit dem Kauf von UTZ zertifizierten Produkten unterstützt man einen nachhaltigen Anbau. UTZ zertifizierte Bauern setzen bessere Anbaumethoden im Hinblick auf den Menschen und die Umwelt ein“. So oder so ähnlich klingen die Sprüche auf Produkten mit dem weit verbreiteten UTZ Siegel. Was steckt eigentlich dahinter?

Ich habe mal ein wenig über dieses Siegel recherchiert und genauso schwammig wie der Spruch klingt, ist auch das ganze Zertifizierungssystem. Doch schauen wir uns das ganze mal genauer an. Dabei schaue ich mir besonders die Umweltstandards und die Fairness der Produkte im Vergleich mit anderen Siegeln an.

Die Nachhaltigkeit

Zunächst sollte man klar stellen dass das UTZ Siegel keinesfalls den gleichen Anspruch hat wie beispielsweise das Fairtrade Siegel. Es behauptet von sich selbst ein vom Markt reguliertes Siegel zu sein. Dennoch steht auf den Verpackungen das die Produkte nachhaltig wären. Hierzu gibt es allerdings standards, die keinesfalls aussagekräftig sind. Beispielsweise werden keine genauen Umweltstandards gefordert. Es wird lediglich gefordert, dass Umweltaspekte bei der Anbauplanung berücksichtigt werden. Welche das genau sind, bleibt allerdings offen. UTZ Produkte müssen keine Biokriterien erfüllen und dürfen Gentechnisch verändert sein. Das bedeutet nichts weiter, dass UTZ Bauern im Prinzip genauso weiter machen können wie bisher. Sie dürfen weiterhin Monsanto Saatgut verwenden und dieses Saatgut genau so anbauen wie vom Hersteller gefordert. Umweltaspekte finden hier also im Prinzip keine Anwendung.

Zwar legt das Siegel Standards im Hinblick auf die Qualität der Produkte fest, aber weniger im Hinblick auf die Umwelt. So darf Beispielsweise Wasser und Abwasser nur getrennt gelagert bzw. geführt werden. Das Produkt darf nur mit sauberem Wasser in Berührung kommen. Alles was danach mit dem Wasser passiert ist im Prinzip egal. Das Produkt darf auch nur minimalen Kontakt mit anderen Produkten haben. Gemahlener Kaffee muss beispielsweise zu 90% auch wirklich nur Kaffee sein und darf nicht mit anderen Produkten gestreckt sein.

Natürlich sind diese Kriterien im Hinblick auf die Qualität des Produktes wichtig. Aber der Umweltaspekt wird in meinen Augen ein wenig vernachlässigt. Wenn es sich bei UTZ Kriterien um Umweltaspekte handelt, dann auch nur um die Qualität des Produktes zu erhalten. Einen weiteren Zweck haben die Umweltstandards des UTZ Siegels nicht.

Natürlich ist das um einiges besser als überhaupt keine Kriterien an das Produkt zu haben, geht mir persönlich für ein wirklich aussagekräftiges Siegel aber nicht weit genug. Man erhält ein gutes Produkt, weiß dass es nicht kontaminiert wurde, hat aber im Prinzip keine Ahnung wie es auf der Farm wirklich zu geht.

Die Fairness

Anders als das Fairtrade Siegel verfolgt das UTZ Siegel einen ganz anderen Anspruch. Als ein vom Markt reguliertes Siegel muss der Farmer mit dem Unternehmen selbst die Preise aushandeln. Einen Mindestpreis wie beim Fairtrade Siegel oder anderen Siegeln gibt es nicht. Das bedeutet einfach nur, dass Partnerunternehmen mit dem Siegel wie z.B.  Nestlé die Bauern dazu zwingt nach den Siegelstandards zu arbeiten um die Ware überhaupt los zu werden. Für den Bauern springt am Ende nichts dabei raus. Nestlé hat als Unternehmen einfach die Macht. Sie sagen einfach, dass sie sich einen anderen Bauern suchen und der Bauer der da nicht mit macht ist im Prinzip in seiner Existenz beraubt.

Das bedeutet dieser Grundsatz zumindest für mich. Nicht alles kann man „Der Markt“ selbst regeln. Genau deshwegen haben wir ja in Entwicklungsländern so viel Armut. Ein UTZ Siegel verändert an dieser Tatsache rein gar nichts. Was soll ein Bauer schon gegen die großen Unternehmen ausrichten? Er muss sich unterordnen. Er muss zwar Qualitätsstandards einhalten, wird dafür aber nicht besser bezahlt als bisher.

Fazit

Das UTZ Zertifikat regelt im Endeffekt nichts anderes als die Qualitätsstadards des Endproduktes. Umweltstandards dienen nur der Erhaltung der Qualität, alles andere ist im Prinzip egal. Mit dem Kauf von UTZ zertifizierter Schokolade erhält man also ein gutes Produkt, hat aber am Ende nichts für Umwelt oder den Bauern getan. Man kann also sagen, dass dieses Siegel nur das Gewissen des unwissenden Verbrauchers beruhigt, der mit dem Kauf von billiger UTZ zertifizierter Schokolade auch noch Hungerlöhne der Bauern mit unterstützt. Na klar, man könnte jetzt argumentieren, dass die Bauern ihre Produkte überhaupt los werden. Aber an grundsätzlichen Problemen ändert das Siegel nichts. Im Gegenteil. Es ist Teil des ganzen Greenwashings und redet dem Verbraucher auch noch ein gutes Gewissen ein.

weiterführende Quellen:
http://www.coffeecircle.com/kaffeewissen/fairtrade-systeme-im-vergleich/fair-trade-kritik/
https://www.utz.org/wp-content/uploads/2015/12/EN_UTZ_Coffee-Module-v1.1_2015.pdf
https://de.wikipedia.org/wiki/UTZ_Certified
https://www.test.de/Nachhaltigkeitssiegel-Koennen-Verbraucher-Fairtrade-Utz-Co-vertrauen-5007466-5009333/vergleich/?sort=gesamtErgebnis

 

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