Diese Geschichte ist frei erfunden und doch geschiet so etwas immer wieder. Sie darf gern geteilt werden, wenn sie euch gefällt.

 

Es ist der 14.05. Meine Mama hat gesagt ich soll mich fertig machen und mir die schönsten Sachen anziehen. Wir werden bald los fahren. Doch am liebsten möchte ich nicht weg, möchte lieber hier bleiben und diesen Tag aus dem Kalender streichen. Man hat gesagt, Papa hat schlimme Dinge getan und das er dafür den Tod verdient hätte. Doch ich weiß, das er es nicht getan hat und den Tod hat sowieso niemand verdient. Keinem Menschen sollte man so etwas antun.

Langsam steige ich ins Auto. Vor Tränen kann ich fast nichts mehr sehen. Das ist also die Fahrt an den Ort an dem ich Papa das letzte mal sehen werde? Es kommt mir so surreal vor. Wie kann ein Land einen Menschen umbringen? Man hat gesagt er wurde vom Gericht verurteilt und das ganze ist nur um Gerechtigkeit zu üben. Doch ich weiß, dass das nichts mit Gerechtigkeit zu tun hat. Ich weiß das Papa unschuldig ist.

Früher hat er immer mit mir im Garten gespielt. Er hat mir an der Schaukel Schwung gegeben und mit seiner Hilfe habe ich mich frei und leicht gefühlt. Dank ihm waren wir eine Familie. Ich erinnere mich noch, wie sie ihn geholt haben. Wir haben zu Abend gegessen. Sie haben die Tür aufgebrochen, haben rumgeschrien und uns alle zu Boden geworfen. Sie hielten eine Waffe auf uns. Ich hatte Angst das ich sterben würde. Dann legten sie Papa Handschellen an und nahmen ihn mit.

Nun steige ich aus dem Auto aus und gehe die Schritte dahin, wo ich Papa das letzte mal sehen werde. Ich setze mich hin. Es zerreist mir das Herz. An diesem Ort soll Papa sterben und ich soll… nein ich muss es sehen um zu glauben. Doch ich kann nicht.  Ich kann eigentlich überhaupt nichts. Das brennen in den Augen und die vielen wirren Gedanken im Kopf werden immer schlimmer. Der Vorhang geht auf und da ist Papa.

Ich kann nicht mehr. Ich will nicht mehr. Ich reiß mich los und renne weg. Ich weiß nicht wohin. Ich weiß nicht was ich denken soll. Doch ich renne immer weiter und da ist Papa. Er winkt mir zu. Ich renne weiter. Da ist eine Schaukel und ich setze mich darauf. Er gibt mir Schwung. Ich fühle mich unglaublich leicht und frei während ich immer höher fliege. Ich schaue Papa an. Er wirkt glücklich und zufrieden. Er scheint Spaß zu haben. Auch ich war schon lange nicht mehr so glücklich. Doch dann wird sein Bild blasser und ich stehe ganz alleine da.

Da ruft mich Mama und ich gehe langsam wieder zurück an den Ort an dem Papa starb. Meine Mama sieht traurig aus. Aber ich sehe wie sie versucht stark zu sein. Ich frage nach Papa und Mama bricht in Tränen aus. Ich weiß das es vorbei ist. Ich weiß das es nie wieder so sein wird wie früher. Doch ich weiß auch, dass Papa immer in meinem Herzen sein wird und die Erinnerungen an ihn nie erlöschen werden

Ein paar Wochen später

Es muss klappen. Die Lücke die Papas Tod hinterlassen hat, kann niemand mehr füllen und so versuche ich mit Mama allein zurecht zu kommen. Ich kann mich manchmal selbst nicht wieder erkennen und oft breitet sich die Wut in mir aus. Auch Mama scheint es so zu gehen. Oft höre ich sie nachts weinen, wenn ich selbst mal wieder nicht schlafen kann, weil der Kummer mir keine Ruhe lässt.

Doch eines Tages klingelt es an der Tür. Ein gut gekleideter Mann steht an der Tür und bittet meine Mama darum herein kommen zu dürfen. Sie bittet mich auf mein Zimmer zu gehen damit sie mit dem Mann alleine reden kann. Heimlich lausche ich an der Tür. Er redet über Papa und sagt, dass neue Beweise vorliegen und das Papa unschuldig ist. Er sagt, dass es ihm leid tut und das es eine Entschädigung geben wird.

Tränen laufen mir die Wangen herunter und ich spüre, wie die Wut in mir herauf steigt. Immer stärker werden die Schläge im meinem Herzen bis zu stark werden um sie auszuhalten. Ich kann mich nicht mehr halten. Wütend renne ich auf den Mann zu. Ich will nur noch eins. Meiner Wut freien lauf lassen. Ich schlage mit meinen Fäusten auf ihn ein bis ich keine Kraft mehr habe und zusammengekauert und weinend auf dem Boden liegen bleibe. Mein Papa. Ich wusste das er unschuldig ist und nun ist er nicht mehr da. Was haben sie uns nur angetan. Kein Geld der Welt bringt Papa zurück. Und auch wir bleiben zurück. Eine zerstörte Familie, die nun ohne ihren Papa leben muss.

Bild:  h.koppdelaney

2 Thoughts on “Der Tag an dem Papa sterben soll

  1. Per Zufall irgendwie grad auf diese Geschichte gestossen. Bin grad hängen geblieben. Danke für die Zeilen. Geben wieder was zum nachdenken. Grüsse Nadja Horlacher

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