Samstag Nachmittag. Mit dem Bus geht es von der Arbeit nach Hause.

Ein ganz normaler Arbeitstag im Krankenhaus in Suhl geht zu Ende. Dort mache ich gerade ein Praktikum im Rahmen meiner Ausbildung.

Es ist Samstag. Endlich ist mal ein wenig Zeit und Ruhe ins Krankenhaus eingekehrt. Die rumänische Ärztin fragt mich, ob ich mal ein wenig über ihre Schultern schauen will. Und so sehe ich zwischen der Pflege und den „normalen“ Tätigkeiten mal ein wenig mehr im Alltag des Krankenhauses.

Nach der Arbeit, geht es wie immer mit dem Bus nach Hause und wie immer ist der Bus voll. Vor mir steigt eine „Mitbürgerin“ ein und sagt zu der Dame vor ihr, das dies „mal ein deutscher Bus“ sei. Ich setze mich neben eine Vietnamesische Mitbürgerin in Hörweite der Dame die vor mir Einstieg. Sie beginnt sich zu unterhalten. „Die Busse haben ja alle Verspätung, weil die Affen mit bezahlen nicht klarkommen“. Nach ein paar Minuten schnapp ich den nächsten Wortfetzen auf. „Ich bin ja froh das ich schon älter bin, sonst würde ich Angst haben vergewaltigt zu werden. Scheinbar haben die beiden Damen so anfang 50 das Thema noch immer nicht gewechselt. Kurz vorher wollte ich der Dame noch meinen Platz anbieten, nun denke ich das es ganz gut ist, das sie steht. Scheinbar haben sie diese Hetze fast die gesamte Busfahrt getrieben. Kurz bevor die Frau aussteigt, ging es um Miete und darum das die Dame jeden Monat irgendwie rumkommen muss…

Ich überlege die Frau anzusprechen und zu fragen wie sie zu ihren Ansichten kommt, doch dann steigt sie aus. Ich muss an meinen Tag und meine Erfahrungen der letzten Wochen denken. An die rumänische Ärztin und an die Veranstaltung im CCS wo einer der Flüchtlinge regelrecht darum gefleht hat, Arbeiten zu gehen (auch ohne Bezahlung). Ich überlege, wie man zu solchen Einstellungen und einer solchen Erfahrungen kommen kann, wie diese Frau. Leben wir in einer Gesellschaft, in der eine 5 minütige Verspätung des Busses wirklich wichtiger ist, als das Leben, das da versucht zu bezahlen? Reicht unsere Solidarität nicht einmal mehr weiter als bis zu unseren engsten Freunden? Reicht sie überhaupt noch so weit? Wie kommt man dazu, andere Menschen als „Affen“ zu bezeichnen und zu denken, unter ihnen wären fast auschießlich Vergewaltiger?

Ich denke an meine Vietnamesische Sitznachbarin im Bus und was sie wohl zu solchen inzwischen „normalen“ Anfeindungen in Suhl denkt…

3 Thoughts on “Ein ganz normaler Tag in Suhl

  1. Jens Daimler on 2. März 2015 at 10:58 said:

    Gibt es Beweise dafür oder erfinden sie gern solche Geschichten um gegen Suhler zu hetzen!? Was die Vietnamesin wohl gedacht hat!? Naja sie wird nicht erst seit gestern hier leben und wissen das es vorher nicht so war! Und bei den etliochen Polizeieinsätzen auf dem Friedberg mit unteranderm einem Überfall auf eine Mutter die geschlagen und ausgeraubt wurde und sogar dem Baby die Trinkflasche genommen wurde,ist es eigentlich normal das man sich Sorgen und darüber redet was hier mittlerweile abgeht! Informieren sie sich darüber mal statt gegen die Suhler zu hetzen mit ihren Lügengeschichten!

    • Ludwig on 2. März 2015 at 15:38 said:

      Bla bla bla. Beweise. Ich denk jeder der momentan mit offenen Ohren und Augen durch Suhl geht, kann Zeuge solcher Gespräche werden. Mein Beweis ist mein Gedächtnis. Oder soll ich das Gespräch in Zukunft für Sie auf Video filmen? Ich will doch niemanden anzeigen, sondern zeigen, was in suhl gerade abgeht.
      Wenn Sie unbedingt Beweise wollen, fragen Sie sich durch Suhl und fragen wer Samtag Nachmittag 15:10 mit der Linie B/F gefahren ist und im hinteren Busteil saß. Ich wünsche viel Spaß. *Kopfschüttel

      Und wieso gehen Sie auf meinen Text weiter ein und bestätigen sogar, das viele Menschen so denken, wenn sowieso alles nur Lüge ist was ich schreibe?
      Die Polizeieinsätze kann niemand wegdiskutieren. Aber wenn 1000 Menschen auf so engem Raum leben und sich teilweise untereinander nicht verstehen kann der eine oder andere Konflikt entstehen. Auch im Suhler Zentrum stehen oft viele „deutsche“ und auch dort muss vor allem im Sommer öfter die Polizei anrücken. Und was wollen Sie mir eigentlich damit sagen das es dort Polizeieinsätze gibt?

      Übrigens finde ich es echt lustig, das das Wort „hetzen“ in Ihrem Wortschatz existiert. Wenn es um Asylbewerber geht existiert es plötzlich nicht mehr. Ich kann mich auch nicht erinnern in irgendeiner Form gehetzt zu haben. Sagen Sie es mir. Ich freue mich über eine Antwort.

    • Andreas on 3. März 2015 at 08:58 said:

      Es ist schon bemerkenswert, andere als Lügner abzutun, wenn die Haltung eines anderen nicht passt. Da baut man sich doch lieber die Welt, so wie sie einem gefällt, voll von Schwarz-Weiß-Malerei mit handfesten Beweisen, dafür aber null Verständnis und Empathie. Wirklich traurig.

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